Ein einwandfreies Venensystem verhindert die Entstehung von Besenreisern und Krampfadern

Das Venen Lymphsystem des MenschenWas sind Besenreiser und wie entstehen sie?

Fast jede zweite Frau hat sie, diese verzweigten, erweiterten Venen in der oberen Hautschicht. Diese sogenannten Besenreiser wurden nach der Verzweigung, die ähnlich einem Reißigbesen ist, benannt. Mit zunehmender Schwäche des Bindegewebes können die Gefässwände der Venen vergrößert, regelrecht ausgeleiert sein. Als Folge davon tritt zu viel Blut in die Vene, was zum Versacken eines Teils des Blutes und dessen Ablagerung in der Vene führt.

Die sonst sehr feine und unsichtbare Vene kann nun durch die Haut scheinen und wirkt von weitem wie ein blauer Fleck. Somit stellt der Besenreiser eine Art Krampfader der kleineren oberflächlich gelegenen Venen in der Hautschicht dar. Beginnend in den Zwanzigern leiden viele Frauen, die eher sitzenden oder stehende beruflichen Tätigkeiten ausüben vermehrt unter den sichtbaren Äderchen an Oberschenkel, Unterschenkel und Gesäß.

Auch an den Knöcheln, wo die Hautschichten durch weniger Fettunterlagerungen dünner ist werden erweiterte Venen oft sichtbar. Da die Schwäche des Bindegewebes erblich bedingt ist treten Besenreiser oft in mehreren aufeinanderfolgenden Generationen auf. Häufig sind Frauen betroffen, da Männer meist ein stabileres Bindegewebe haben. Dieses stützt die Blutgefäße durch das umgebende Fett- und Muskelgewebe. Auch die Venen sind weniger Lädiert. Die Folge ist das Männer weniger zu Besenreisern als auch zu Cellulite neigen als Frauen. Sowie die Ausbildung von Besenreisern durch Vererbung von Mutter und Großmutter beeinflusst wird kann man auch den weiteren Verlauf und der eventuellen Entstehung von ernsthaften Krampfadern auf die nachfolgenden Generationen übertragen. Im Volksmund werden Besenreiser auch Oberschenkellandkarten genannt. Was den Betroffenen noch mehr Selbstvertrauen nimmt.

Aber sind Besenreiser nun gefährlich?

In den meisten Verläufen treten wenig Komplikationen auf, da nur sehr feine und kleine Blutgefäße betroffen sind. So führen Besenreiser nicht zu dramatischen Störungen der Durchblutung in den Beinen. Die Tatsache, dass nur kleine und keine tiefer liegenden Venen betroffen sind, sollte jedoch in jedem Falle von einem Arzt durch Ultraschall-Untersuchung abgeklärt werden. Das in den lädierten Venen versackte Blut scheint – je nach Hauttyp – rötlichen oder bläulichen durch die Haut. In den seltensten Fällen sind diese Venenveränderungen großflächig und führen zu einer oberflächlichen Überhitzung der betroffenen Hautpartie und damit einhergehenden Schmerzen. Sollten zudem Druckgefühle, schwere Beine und Entzündungen auftreten wenden Sie sich sofort an einen Arzt.

Verbreitet sich die Schwäche der Gefäßwände nämlich auf größere, tiefer liegende Venen aus, können Entzündungen bis hin zu Gefäßverschlüssen und Thrombosen auftreten. Solche Krampfadern können im schlimmsten Falle durch eine nachhaltige Schädigung des umliegenden Beingewebes zu starken Entzündungen, Nekrosen und zum „offenen Bein“ führen. Schließt ein Arzt jedoch eine Veränderung der großen Gefäße aus, so sind Besenreiser zunächst nur optische Mängel, die aber auch zu seelischen Krankheiten führen können.

Venenverstopfung KrampfadernWas ist zu tun um Besenreiser zu vermeiden?

Vorbeugend sollte im Alltag auf regelmäßige sportliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Dies beinhaltet auch ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und die Zufuhr von gewebeunterstützenden Nährstoffen, wie sie in Obst und Gemüse vorkommen. Viel raffinierter Zucker und Koffein können das Bindegewebe zusätzlich schwächen. Achten Sie allgemein darauf Übergewicht zu vermeiden. Geeignete Sportaktivitäten sind unter anderen das Schwimmen, das Tanzen oder das Wandern. Alle Sportarten und Aktivitäten, die unter anderem auch die Durchblutung der großen Muskelpartien am Oberschenkel fördern sind empfehlenswert. Ausreichend Bewegung verhindert die Entwicklung von Übergewicht, welches das Bindegewebe schwächt. Auf zu starke Hitzereize, wie sie beim Saunieren, durch heiße Bäder, Wärmflaschen u.ä. auftreten sollten vermieden werden. Diese Hitze führt zur Überlastung der geschwächten Venen durch vermehrte Durchblutung.

Wechselbäder mit kühlem und warmen Wasser über Bein und Gesäß beugt den Besenreisern genauso vor wie das Kneippen. Die Flexibilität der Venen wird jedoch nur gefördert wenn man die Temperaturen nicht zu extrem wählt. Bewegung ist besonders nach langem Sitzen oder Stehen wichtig. Übungen zum Dehnen der Gewebestrukur vermindern Verklebungen und halten die Venen in Form. Nachts sollten man die Beine hoch lagern um die Venenklappen in ihrer Funktion zu unterstützen. Niedrige Absätze und Kompressionsstrümpfe tragen zu einem gesunden Bein bei. Durch ausreichendes Trinken wird die Durchblutung gefördert und die Venen werden gespült. Die Einnahme der Pille und anderer Medikamente sollte nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen, da diese die Organe und Gefäße schädigen können. Mit einer schwerwiegenden Krampfader gehen auch immer Symptome wie dauerhafte Schwellungen, unangenehmes Druckgefühl in den Extremitäten, schwere Beine bis hin zu entzündlichen Gewebsveränderungen einher. Besenreiser sind keine derart bedrohliche Veränderung der Gefäße, aber wenigstens ein unansehnliches Makel.

Die möglichen Behandlungen und Therapien bei Besenreisern

Da Besenreiser in erster Linie keine gesundheitliche Gefährdung darstellen, werden die Behandlungen generell nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Entfernung von Besenreisern wird von der Krankenkasse als Schönheitsoperation eingestuft. Stellt sich also nach der erfolgten Ultraschall-Untersuchung heraus, dass nur oberflächliche Besenreiser vorliegen, bleibt es jedem Patienten selbst überlassen zu entscheiden was er weiter tun will. Will er durch Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung, die Bildung weiterer Besenreiser verringern. Oder ist die seelische Belastung so groß, dass eine Entfernung der bestehenden Besenreiser angestrebt wird. Die optische Beeinträchtigung kann prinzipiell durch drei verschiedene Behandlungen der Besenreiser vermindert werden

Die erste Behandlungsart besteht darin, dass Medikamente zur Verödung der feinen lädierten Venen injiziert wird, dadurch kann der Körper die verödeten Reste abbauen und abtransportieren. Dadurch kann das Erscheinungsbild der Besenreiser vermindert werden und sogar verschwinden. Diese Art der Behandlung wird Sklerosierung genannt und muss durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen unterstützt werden. Nur so können langanhaltende Verfärbungen an den die Besenreiser umgebenden Arealen nach der Behandlung vermieden werden. Diese ähneln im Verlauf der Färbungen durch einen blauen Fleck. Durch die Injektion können an der Einstichstelle Schmerzen auftreten und auch ein Druck entstehen, der schmerzhaft sein kann.

Die zweite Behandlung ist die Lasertherapie, wobei energiereiche Strahlung auf die veränderten Gefäße gestrahlt wird und durch die lokale Erwärmung das Gewebe verklebt und verödet wird. Bei verbesserten Lasertherapien wird das Gewebe so gezielt und schonend bestrahlt, dass kaum Nebenwirkungen auftreten. Wenn doch Nebenwirkungen vorkommen sind diese ähnlich der medikamentösen Verödung der geschwächten Venen. Zur unterstützenden Behandlung der betroffenen Beine sollte man auch hier zusätzlich Kompressionsstrümpfe tragen, da sie den Abtransport der Lymphflüssigkeit unterstützen können. Die Lasertherapie erfolgt quasi ohne Schmerzen und weist unter allen Methoden die geringsten Nebenwirkungen auf.

Die dritte Methode beruht auf der äußerlichen Anwendung sogenannter Besenreiser-Cremes, diese beinhalten ein Gemisch aus hoch dosiertem Vitamin K1 und Hilfsstoffen die den Wirkstoff beim Eindringen in die Haut unterstützen. Nach der Behandlung mit der Creme, die zweimal täglich auf der feuchtwarmen Haut erfolgen soll dringt das Vitamin K1ins Bindegewebe ein und beeinflusst die Blutzirkulation indem das Blut in seinen Gerinnungseigenschaften beeinflusst wird. Die hier beschriebene Behandlung dient nicht zu einer Verödung der betroffenen Vene sondern unterstützt nur die Venentätigkeit des umliegenden Gewebes.

Als effektivste Behandlung ergab sich eine Mischung aus vorbeugenden Massagen, Ultraschall- oder Lasertherapie, die Kombination aus physikalisch-mechanischen Einflüssen und thermischen Effekten wirkt synergisch zusammen und vereinen sich zu einer biochemischen Behandlung.

Bei wenig ausgeprägten Besenreisern findet auch die Thermgalvanik Anwendung bei der ein sanfter Gleichstrom auf die betroffenen Areale gelegt wird und gleichzeitig eine leichte Wärmebehandlung stattfindet. Hierbei bildet das dabei gerinnende Blut in der Vene einen Verschluss, der zum Zusammenziehen des Besenreisers und dem Abbau der lädierten Vene führt.

Welche Risiken, Komplikationen und Nebenwirkungen können mit den einzelnen Behandlungen einhergehen?

Lasertherapien mit zu diffusem Licht können zu Entzündungen an den behandelten Venen führen, da das Gewebe durchlässig und damit anfälliger für Infektionen werden kann. Des Weiteren kann es zu temporären Farbveränderungen, Schwellungen und allergischen Reaktionen kommen. Eine Injektion birgt immer das Risiko einer Infektion und Entzündung, die mit Narbenbildung und Pigmentstörungen begleitet sein können. Auch hierbei können, wie bei der Anwendung der Creme, Unverträglichkeiten, allergische Reaktionen, gerötete Haut und Juckreiz als Nebenwirkungen auftreten.

Welche Alternativen gibt es?

Möchte man Bein zeigen trotz Besenreiser können verschiedene kosmetische Verfahren genutzt werden, um die Besenreiser zu kaschieren. Camouflage Makeup besitzt eine sehr hohe Deckkraft und kann auf die betroffenen Hautstellen gegeben werden. Selbstbräuner wirken optisch verschmälernd und überdecken ebenso die Besenreiser. Diese können auch in einem Kosmetiksalon als Sprayverfahren aufgetragen werden, um möglichst gleichmäßige Ergebnisse zu erzielen. Blickdichte Strumpfhosen sind in kalten Jahreszeiten eine Option aber bei heißen Temperaturen nicht praktikabel. Im Zeitalter von BB Cremen und ähnlichem wurden auch spezielle Cremes für die Körperhaut entwickelt, die ihre Oberfläche ebener erscheinen lassen und Verfärbungen ausgleichen können. Die enthaltenen Schimmerpartikel kaschieren zusätzlich.

Weitere Quellen und nützliche Links:

www.praxispilgerzell.de/unser-angebot/therapien/ultraschalltherapie.html

www.t-online.de/ratgeber/lifestyle/beauty/id_46743912/schoene-beine-so-kaschieren-sie-aederchen-und-co-.html

(Herold, G.: Innere Medizin, Herold Verlag Köln, 2014

Greten, H. et al.: Innere Medizin – ein Lehrbuch, 13. Auflage, Thieme Verlag, 2010

Noppeney, T.: Varikose, in: Chirurgie Basisweiterbildung (2013): 289-302.

Von Goethe, J.W.: Unangenehme Gefühle in den Beinen, in: Phlebologie 43 (2014): 32-35.

Fiebig, A. et al.: Heritability of chronic venous disease, in: Human genetics, 127.6 (2010): 669-674.)